Im März 2021 erreichte die Bibliothek des Bundesministeriums für Finanzen eine Anfrage des Bundeskriminalamts in Kooperation mit Interpol Rom: Bei einem Antiquariat in Gorizia war ein Werk sichergestellt worden, das vermutlich aus dem historischen Bestand der Ministerialbibliothek stammt.
Bereits anhand eines Screenshots des Titelblatts konnte das Buch durch Frau Mag. (FH) Patrizia Raba, Leiterin der BMF-Bibliothek, eindeutig identifiziert werden - nicht zuletzt dank Exlibris, Stempeln, Signaturen und Handschrift. Diese klassischen Kennzeichnungen erwiesen sich einmal mehr als verlässliche Instrumente der Provenienzforschung. Die Übereinstimmung mit den Inventarbüchern bestätigte den Verdacht: Das 1908 erschienene Werk war zwar dokumentiert, galt jedoch seit Jahrzehnten als verschollen.
Der Fall unterstreicht die nachhaltige Bedeutung sorgfältiger Erschließung. Im Zuge der Retrokatalogisierung der Bestände um das Jahr 2010 wurde jedes einzelne Werk physisch geprüft und erfasst – eine Grundlage, die nun die eindeutige Zuordnung ermöglichte. Gleichzeitig zeigt sich, wie wichtig eine präzise und konsequente Kennzeichnung auch beim Ausscheiden von Medien ist, um spätere Unklarheiten zu vermeiden.
Die Rückführung des Bandes ist zudem ein Beispiel funktionierender europäischer Verwaltungspraxis. Mehrere Institutionen arbeiteten grenzüberschreitend zusammen, um die Herkunft zu klären und die Restitution zu ermöglichen.
Heute ist das Werk wieder Teil des Bibliotheksbestandes, im Gesamtkatalog des Österreichischen Bibliothekenverbundes recherchierbar und vor Ort einsehbar. Nach über 100 Jahren ist damit ein Stück Verwaltungsgeschichte an seinen Ursprungsort zurückgekehrt – und zugleich ein eindrucksvolles Beispiel für die Relevanz bibliothekarischer Detailarbeit.
Verfasser: Mag. (FH) Patrizia Raba, Präs. 3 Bibliothek
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